Umzug auf depressionsblog.de
Update des Depressionsblogs
Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Besuchern meines Blogs bedanken, die bislang den Weg hierher gefunden haben und in Zukunft auch finden werden. Ich hätte nie gedacht, daß er auf solch große Resonanz stoßen würde. Ihr habt mich überglücklich gemacht. Danke. :)
Es gibt aus meiner Sicht nichts Schöneres, als Menschen, die sich gegenseitig helfen. Und ich empfinde große Freude darin, Anregungen basierend auf meinen Erfahrungen zu geben und umgekehrt die Anregungen und Erfahrungen anderer, wie hier in Kommentaren gepostet, aufzunehmen und auszuprobieren. Aus diesem Grund begann ich diesen Blog vor einem Jahr.
Neuer Server
Der aus meiner Sicht große Erfolg des Blogs hat mich bewogen, den Blog auszubauen, damit er zugänglicher und einfacher zu bedienen wird für die Besucher und der Meinungsaustausch erleichtert werden kann. Erleichtert und verbessert werden soll etwa die Übersichtlichkeit der Beiträge, also Postings und Kommentare, als auch die Einbindung von Bookmark-Websites wie del.icio.us oder Technorati zwecks leichterer Auffindbarkeit.
Zu diesem Zweck habe ich ein neues Hosting-Paket bestellt, auf dem in Zukunft der Depressionsblog seine Heimat finden wird. Die Umstellung wird noch ungefähr eine Woche in Anspruch nehmen. Eines Tages dann erscheint der Blog in neuem Gewandt und ich hoffe, daß er euch dann noch besser gefallen wird. Meine Vorbereitungen laufen seit Wochen schon auf Hochtouren. :)
Wie alles begann
Was als unstetes Hobby-Projekt begann, möchte ich nun regelmäßig und dauerhaft betreiben, nämlich wöchentlich in diesem Blog posten, denn ich bin überzeugt, daß damit der Gedankenaustausch verbessert wird.
Ferner bin ich fest davon überzeugt, daß es wichtig ist, wenn sich Betroffene austauschen. Ich persönlich suche und lese nahezu täglich im Internet Informationen über die Krankheit, nach neuen Behandlungsmethoden und Geschichten und Erfahrungen von Betroffenen, weil ich es sehr anregend finde.
Erfahrungsaustausch weiter
anregen
Bedauerlicherweise schreiben nach meiner Meinung zu wenige Informationsportale aus der Sicht der unmittelbar von Depression Betroffenen. Für mich macht es einen großen Unterschied, ob man tatsächlich an Depression erkrankt ist, oder als nichterkrankter Außenstehende die Krankheit beschreibt.
Für mich sind die Beurteilungen und Einschätzungen der Nichterkrankten ebenfalls sehr wichtig. Allerdings vertrete ich die Ansicht, daß die Erfahrungen von mit Depression Lebenden einen zu geringen Anteil haben.
Die Zukunft des Blogs
Ich kann nur aus meiner Sicht schreiben. Mir stellt sich das Leben unter Depressionen als eine tägliche Herausforderung dar, die mehr Überraschungen für mich bereithält, als mir teilweise lieb ist. Die Krankheit ist derart vielschichtig, daß ich ständig neue Erfahrungen mache, über welche ich mich gerne austauschen würde.
Aus diesem Grund werde ich mehr schreiben. Mehrere Artikel habe ich bereits erstellt, aber noch nicht gepostet. Falls ihr auch weiterhin Interesse am Depressionsblog haben solltet, worüber ich mich sehr freuen würde, merkt euch bitte die URL www.depressionsblog.de
In beinahe einer Woche wird der Blog in etwas veränderter Aufmachung erscheinen; die alten Artikel bleiben natürlich erhalten. Allerdings treten viele neue hinzu, eben Erfahrungsberichte und Tips für den Umgang mit Depression aus der Sicht eines Betroffenen – und das auf kaum absehbare Zeit hinaus. ;)
Ich wünsche allen einen schönen Tag! :)
PS: Vielen Dank an www.sabines-katzenoase.ch für die Verlinkung. :)
Was sollen Depressive über ihre Krankheit erzählen gegenüber Verwandten und Bekannten – und wie alle daraus Vorteile ziehen können
Nunmehr soll in diesem Beitrag auseinandergesetzt werden, welche wichtigen inhaltlichen Dinge an sein engeres Umfeld herangetragen werden sollten, um Verständnis bei Dritten für sich und die Krankheit zu wecken und Vertrauen zu erzeugen. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, daß diese Schritte mit die wichtigsten zur Gesundung bedeuten.
Aufklärung über die
Krankheit
Primär ist die Aufklärungsarbeit darüber, daß man an einer Krankheit leidet. Die Depression ist eine psychische Störung, deren Symptome sich sowohl im psychischen als auch im körperlichen zeitigen. Hierzu gehören Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Angst, Vernachlässigung von Freunden und sich selbst, Gleichgültigkeit, Müdigkeit bis hin zu Selbsttötungsgedanken und starker, scheinbar grundloser Verzweiflung. Man nennt die Depression auch affektive Störung, da gerade die Gefühlswelt auf kaum vergleichbare Weise gewaltig aus den Fugen gerät. Nicht verwechselt werden darf die Krankheit mir äußerlichen Begleiterscheinungen, die häufig als Faulheit etwa ausgelegt werden.
Bewältigung der Krankheit
durch Medikamente und Psychotherapie
Zwei Wege der Therapie der Krankheit haben sich als erfolgsversprechend erwiesen. Zum einen die Einnahme von Medikamenten, sogenannten Psychopharmaka, als auch der psychotherapeutischen Behandlung und hierbei überwiegend der Gesprächstherapie; ergänzende, nicht minder wichtige Formen sind etwa die Bibliotherapie aus dem Selbsthilfebereich, als auch der Besuch von Selbsthilfegruppen, die sich auf dem Erfahrungsaustausch von direkten und mittelbar Betroffenen rekrutieren.
Medikamente dienen der Linderung der Symptome der Krankheit als auch der Rückfallprävention. Entscheiden hierbei ist, daß man dieser Medikamente dringend und vor allem über einen sehr langen Zeitraum von teils mehreren Jahren bedarf. Oftmals muß man mehrere Präparate oder auch Präparatkombinationen ausprobieren, denn nicht jedes Medikament wirkt bei jeder Person gleichermaßen.
Ausgangspunkt der medikamentösen Behandlung ist die Erkenntnis der Medizin, daß von Depressionen Betroffene ein chemisches Ungleichgewicht gewisser Botenstoffe im Gehirn-Stoffwechsel ausweisen. Korrigiert wird dieser Defekt durch nämliche Medikamente.
Angehörige als auch Kranke sollten bedenken, daß auch eine langanhaltende Besserung des Zustandes für die Wirksamkeit der Medikamente spricht. Mit anderen Worten: sie müssen weitergenommen werden, und dürfen gerade nicht abgesetzt werden. Die Depression ist nicht mit Kopfschmerzen zu vergleichen. Lassen diese nach, muß man auch keine Medikamente mehr nehmen. Weit eher ist die Krankheit mit der Zuckerkrankheit zu vergleichen. Ohne tägliche Einnahme ist ein Rückfall und damit eine rapide Verschlechterung des Zustandes zu erwarten.
Die Psychotherapie soll schließlich helfen, dem Erkrankten den Umgang mit seiner Krankheit auf mentaler Ebene zu ermöglichen. Der Erkrankte lernt Techniken und Methoden, wieder aktiv am Leben teilzunehmen, daß ihm meist bis dato nicht mehr möglich war.
Geduld, Ausdauer
Größte Tugenden sind Geduld und Ausdauer bei der Bewältigung der Krankheit. Angesichts des zeitlich kaum eingrenzbaren Verlaufs der Krankheit, kann es immer wieder zu kleineren und größeren Rückschlägen für die betroffene Person kommen.
Wichtig ist die Vermittlung des Verständnisses dafür, daß der Gesundungsprozeß Jahre dauern kann. Mit einmaliger Einnahme und kurzweiliger Verbesserung des Befindens ist es nicht getan.
Einsicht in die
Gedanken- und Gefühlswelt
Einblick in die eigene Denkweise und den emotionalen Haushalt zu verschaffen tut not, um Dritten vermitteln zu können, wie es um einen selbst bestellt ist. Gedanken und Sichtweisen, wie etwa starke Selbstzweifel, Gefühle der Verzweiflung, sollten nicht unterdrückt werden. Weit eher sollte man sich anvertrauen und Gedanken austauschen.
Häufig ist Unverständnis die erste Reaktion. Hiervon sollte man sich nicht entmutigen lassen, sondern Ausdauer zeigen. Erst wenn man diese Schwelle überschritten hat, fängt der Nutzen des Gesprächs an.
Grade der Depression
Von der Depression und den Einschränkungen selbiger Krankheit ist jeder in unterschiedlichem Maße beeinträchtigt. Im Falle der schweren Depression etwa, sollte man nicht zögern davon zu berichten, Selbsttötungsabsichten zu hegen. Nichts ist fataler, als sich gegenüber dem Umfeld auszuschweigen. Hilfe und Mitgefühl wird einem in dem Maße zuteil, wie man sich selbst offenbart. Gerade weil auch die Depression schubweise erfolgt, sollte man erläutern, daß es einem auch gelegentlich gut gehen kann.
Analogien
Die Depression ist eine langwierige Krankheit, deren Gestalt sich ändern kann. Vergleichbar ist sie mit der Dauerbetroffenheit eines Zuckerkranken, der sich täglich Insulin spritzen muß. Weiter kann die Krankheit auch mit einer Migräne verglichen werden. Die Kopfschmerzen kommen und gehen, wie sie wollen, und Dauern mal länger mal kürzer, ohne daß man dies voraussagen kann.
Ähnlich ist es mit der Depression. Das Gefühlsleben unterliegt starken Schwankungen, die sich in Tages- als auch Wochenschwankungen ausprägen. Teils kann es einem von einer Minute auf die andere schlechtgehen. Hiervor ist niemand gefeit.
Verzerrte Wahrnehmung
Vielen Depressiven fällt es schwer, einfache Tagesverrichtungen zu leisten. Soziale Kontakte werden vernachlässigt. Dahinter steckt die Krankheit, nicht aber die bewußte Preisgabe einer Freundschaft. Depressiven fällt es schwer, Kontakte zu halten. Erleichterung und Abhilfe kann das Zugehen auf Depressive ohne Druck erleichtern.
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9 Gründe offen mit seiner Depression umzugehen
Offen mit seiner depressiven Erkrankung umzugehen im Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis hat Vorteile. Neun davon möchte ich in diesem Artikel beleuchten. Selbstverständlich bietet die Offenheit keine Garantie auf Verständnis und Rücksichtnahme besagten Adressatenkreises, jedoch die Möglichkeit und Chance hierauf. Ohne Offenheit wird man sie nie erhalten. Sie ist also der erste notwendige Schritt dorthin.
1. Die Ursache eines möglichen Versteck- und Lügenspiels wird beseitigt
Weiß die Umwelt, die meist aus Freunden und Verwandten besteht, von der Krankheit und vor allem deren Folgen, erscheint so manches Verhalten in einem ganz anderen Licht, üblicherweise zum Vorteil des Kranken. Ausreden, weshalb man nicht mehr so gerne unter Leute geht oder den ganzen Tag müde ist, braucht man nicht mehr zu bemühen, sondern kann sie sachlich begründen.
2. Vertrauen wird gegeben, Vertrauen wird einem entgegengebracht
Wer Vertrauen gibt, indem er andere in sein Geheimnis einweiht, wird für diesen Vertrauensbeweis nahezu immer belohnt. Belohung kann in diesem Falle aus Verständnis bestehen oder auch weiterführenden Informationen. Halbwegs selbstbewußt ausgesprochen, kann diese Mitteilung dazu führen, daß auch andere über ihre Erfahrungen mit depressiven Freunden und Bekannten berichten. Erfahrungsaustausch ist die Folge. Oftmals schildern die Involvierten auch von anderen, vergleichbaren chronischen Krankheiten und deren Bewältigung, was ebenfalls einen fruchtbaren Erfahrungsaustausch bedeutet.
3. Ausreden sind nicht mehr nötig
Wie häufig schon bemühte man Ausreden, also schlicht Lügen, um Termin-Absagen wie kurzfristig auch immer, begründen zu können? Überlicherweise gehen mit der Depression nicht weniger unangenehme Begleiterscheinungen einher wie Angstörungen, Panikattacken und vor allem Sozialphobie. Es macht einen Unterschied, ob man sich grundsätzlich nicht mehr mit Freunden außerhalb treffen möchte wegen der Sozialphobie etwa, oder ob man diese besser nur noch zu Hause empfangen möchte. Den Unterschied versteht nur, wer um die Krankheit weiß.
4. Gefühl der Erleichterung
Geheimnisse im allgemeinen und das fortschreitende Versteckspiel mit Widersprüchen belasten einen obendrein. Schuldgefühle sind zumeist die Folge. Im Falle der Depression eine weitere Beschleunigung der Abwärtsspirale. Auf das offene Bekenntnis zur Krankheit folgt die Einsicht, daß alleine das Aussprechen schon für Erleichterung sorgt. Dies ist auch wichtig für den eigenen Therapieerfolg.
5. Mut und Offenheit werden signalisiert
Wie wirken öffentliche Kampagnen und Engagements Prominenter auf die Umwelt? Auf mich wirken etwa Schauspieler, die von einer Krankheit betroffen sind, niemals peinlich, sondern mutig und anerkennenswert. Dem Beispiel nacheifern und folgen kann man auf einfache Weise, indem man sich ebenfalls offenbart. Die Umwelt reagiert, zwar häufig unausgesprochen, aber dennoch mit Anerkennung. Das eigene Selbstvertrauen wird gestärkt.
6. Anreiz für Betroffene, sich ebenfalls zu öffnen
Letztlich kann die Beichte auch dazu führen, daß sich einem andere, von denen man ebenfalls nicht erwartet hätte, daß sie depressiv seien, einem offenbaren. Und wer hätte nicht gerne eine Person zum Austausch?
7. Möglicher Erfahrungsaustausch
Wenn Betroffene, direkt oder auch mittelbar, ihre Eindrücke mitteilen, entsteht ein Erfahrungsaustausch. Von diesen kann man nur profitieren. Irgendein Tip fällt immer ab. Häufig ist Depressiven zueigen, daß sie denken, ihr Zustand sei einzigartig. Dem ist aber nicht so. Viele der an sich selbst festgestellten Symptome besitzen auch andere Depressive. Vom Umgang mit Depression auf der Arbeit oder in der Familie kann man nie genug erfahren.
8. Verbesserte Selbstakzeptanz
Irgendwann blickt man selbst nicht mehr durch, wenn man sich im Geflecht von Ausreden und Selbstverleugnung verheddert. Wer sich selbst so annimmt, wie er ist, nämlich an Depression erkrankt zu sein, stärkt das Vertrauen in sich.
9. Neue Chancen ergeben sich
Wer um die Einschränkungen infolge der Krankheit weiß, kann beginnen, gegen die Einbußen vorzugehen, soweit das möglich ist, und kann vor allem auch seine Schwächen anzunehmen lernen. Illusionen hängt man üblicherweise nicht mehr an, wenn man sich im klaren ist, was depressiv zu sein bedeutet. Alte Informationen tauchen plötzlich in einem ganz anderen Zusammenhang auf durch den Perspektivenwechsel. Möglicherweise kann man bestimmte Hilfsprogramme in Anspruch nehmen oder an neuen Therapien teilnehmen. Üblicherweise resultieren diese Chancen aus dem Erfahrungsaustausch mit anderen.
Kennt ihr noch weitere gute Gründe, die für den offenen Umgang sprechen? An Kommentaren von euch hierzu bin ich sehr interessiert. :)
Weshalb man offen mit seiner Depression umgehen sollte
Wie kann man sein Wohlbefinden trotz schwerer Depression schlagartig ändern? Wie kann man mit einfachen Schritten dafür sorgen, daß es einem bessergeht? Viele Betroffene haben sich diese Frage gestellt und stellen sie sich mitunter tagtäglich – ohne eine befriedigende Antwort darauf zu finden.
Häufig führt der immerwährende Gedanke nach Besserung der eigenen Lage paradoxerweise zu einer Verschlechterung der Gemütslage, weil man die Baustellen seines Lebens entdeckt und nicht weiß, wie man mit ihnen umgehen soll.
Eine ganz einfache und sofort umsetzbare Möglichkeit, sich mentaler Erleichterung im Umgang mit der Krankheit zu schaffen, will ich einschließlich der daraus erwachsenden Vorteile und Möglichkeiten im folgenden vorstellen. Sie lautet: Offenheit.
Die mißliche Lage
Jeder Mensch steht im Verhältnis zu anderen Menschen. Depressiven ist eigen, daß viele sich über ihr Leiden, das als Schicksal wahrgenommen wird, ausschweigen. Rückzug ist die Folge. Begleiterscheinungen sind der Verlust von Freunden, Distanz zu Bekannten bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.
Innerlich verarmt man, viel zu häufig kreisen die Gedanken nur um ein Thema, das sich bis hin zu Selbsttötungs-Gedanken verdichten kann. Einher geht diese Eigenheit mit Angst, Traurigkeit und Mattigkeit, ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Nicht-Verstanden-Werdens.
Die Zweifel besiegen
Und dennoch: nach außen hin will man funktionieren, sofern man noch nicht völlig resigniert hat, will unter größter Anstrengung die Fassade wahren, sich nichts anmerken lassen – so jedenfalls war es bei mir. Zur erheblichen Verschlechterung trug bei, daß gerade diese Fassade immer häufiger zu bröckeln begann, alte Risse sich vergrößerten und neue hinzutraten.
Mein Bemühen, den Schein zu wahren, nahm zu. Hierzu bediente ich mich der ältesten Strategie der Menschheit: der Lüge. Ausreden mußten als letzte Instanz der Ich-Wahrung herhalten, weshalb ich in letzter Sekunde einen Termin absagte, auf der Arbeit fehlte, Freunden gegenüber übelgelaunt war und auf Tauchstation ging, und immer öfter unpünktlich war.
Der mögliche Ausweg
und die mögliche Bremse
Gegenbild hierzu war, offen mit meiner Krankheit umzugehen. Statt mein Lügengebäude aufrechtzuerhalten, statt mich noch schlechter zu fühlen, wenn es mir ohnehin schon schlecht ging, könnte ich auch einfach offen zu meiner Mitwelt sein.
Soweit die Theorie. Der Umsetzung standen viele Ängste und Befürchtungen entgegen. Typischerweise verstecken sich Sorgen und Ängste in „aber wenn“-Phrasen: aber was passiert, wenn die Umwelt nicht so reagiert, wie ich das gerne hätte; wenn man mich deswegen meidet; wenn, ja wenn?
Das Erstaunen
Wie kann man „aber wenn“-Phrasen besiegen? Indem man sie überprüft. Langsam tastete ich mich vor. Zuerst band ich meine Eltern ein, dann die Geschwister, es folgten erste sehr gute Freunde, Verwandte usf.
Das verblüffende Ergebnis: eine Woge der Empathie und des Mitgefühls umgab mich. Verständnis, Wohlwollen und Sorge wurden mir entgegengebracht wo vorher Unverständnis, Ablehnung und Gleichgültigkeit mehr und mehr dominierten.
Das Wie
Selbstverständlich mußte ich Aufklärung im Detail betreiben, über meine Krankheit berichten, und auch darüber, wie man am besten mit mir umzugehen hätte, eben um Verständnis werben. Kaum jemand lehnte mein Geständnis ab; kaum jemand reagierte abfällig. Jene, die es dennoch taten, ein oder zwei von vielen an der Zahl, habe ich nach einer Aussprache gestrichen.
Was mir meine Offenheit gebracht hat? In erster Linie brachte sie mir viele positive Eindrücke. Kaum, daß ich mich zu meiner Krankheit bekannt hatte, folgten auch andere diesem Beispiel oder wußten ihrerseits von ihrem Verhältnis zu Depressiven zu berichten. Hierdurch wurde mein Erfahrungsschatz durch den regen Austausch mit anderen enorm vergrößert. Mit anderen Worten: ich gab ein wenig Offenheit und erhielt sehr viel im Gegenzug an Erfahrungen, die mir sehr halfen, mich mit meiner neuen Lage anzufinden und sie zu festigen.
Die weitere
Voraussetzung der Offenheit
Offenheit setzt Selbstakzeptanz voraus, was wiederum bedeutet, daß man sich als Depressiver annimmt. Zuerst mag man dies als Nachteil, gar als Stigma ansehen. Vertieft man jedoch den Gedanke, eröffnen sich einem viele neue Möglichkeiten.
Kaum daß ich für mich angenommen hatte unter Depression zu leiden und krank zu sein, dachte ich daran, welchen Nutzen ich hieraus für mich und andere ziehen könnte. Soziales Engagement in einer Selbsthilfegruppe, Behinderten-Hilfe – plötzlich sah ich nicht nur schwarz, sondern es taten sich viele weiße Flecken auf. Weit mehr, als ich mir je zu träumen gewagt hatte.
Die Erleichterung und
das Glück
Das Beste jedoch war, daß ich im sozialen Umfeld die Bindungen steigern konnte. Das Verhältnis zu meinen Eltern ist besser als je zuvor, meine Freunde bringen mir viel Entgegenkommen bei, einfach aus dem Grund, daß sie um mich und meine Lage wissen. Auch ihnen fiel es nicht leicht, den undankbaren Befund anzunehmen. Doch nicht nur ich sah mich in einem neuen Licht, sondern auch sie umgekehrt mich.
Ausreden bedarf ich keiner mehr, im Gegenteil. Geht es mir nicht gut, wird mir Hilfe angetragen. Früher verprellte ich meine Umwelt, wenn ich aus – nach alter Sicht der Freunde – wegen fadenscheinigen Begründungen ein Treffen ausfallen ließ, oder scheinbar unzuverlässig war. Wer seinem Geiste Entlastung bringen möchte, der sollte sich seiner Umwelt offenbaren.
Habt ihr Erfahrungen im Umgang mit Depressiven oder deren Angehörigen gemacht? Wie fielen diese aus? Über Kommentare hierzu würde ich mich freuen. :)
Zitat der Woche
Ein Freund sei eine Seele in zwei Körpern.
Aristoteles
Schöne Frauen - Illusion und Wirklichkeit
Die schönen Frauen aus der Plakatwerbung – wie sehen sie ohne Schminke aus? Was sieht man auf den Plakaten nicht?
Viele Depressive leiden unter einer Wahrnehmungsstörung. Gerade Frauen betrachten sich häufig als unattraktiv. Ein Urteil, was freilich auf der Depression beruht, die einen den eigenen Körper anders wahrnehmen läßt.
Folgendes Video soll Aufklärung bieten, wie aus der Frau von Nebenan eine unwiderstehliche Femme fatale wird. Ich habe es schon ca. 20mal gesehen und finde es jedesmal erneut beeindruckend. :)
Website zum Thema Depression
Informationen rund um das Thema Depression bietet folgende, erst kürzlich anläßlich des europäischen Depressions-Tages initiierte Website des Internet-Gesundheitsportals Lifeline.
Interessant finde ich den Erste-Hilfe-Koffer in der Linkliste. Enttäuscht wiederum bin ich vom Lexikon. Der Link funktioniert bei mir nicht.
Dennoch: über das Thema Depression kann man nicht genug Informationen erhalten.
Was sollte im Baukasten stehen?
Anknüpfend an mein Posting Der Baukasten – Tätigsein trotz Depression möchte ich ins Detail gehen in bezug auf meinen persönlichen Baukasten, wie ich ihn führe und was in ihm enthalten ist und wie ich ihn nutze.
Wichtig ist immer zu bedenken, daß er Dir helfen soll, auch im geringen Rahmen Tätigkeiten nachzugehen und auch Spaß bringen sollte. Gerade letzteres wird in schwierigen Phasen nicht so einfach sein, weshalb mir manche Tätigkeiten einfach nur dabei helfen, den Kopf auf Durchzug zu stellen, denn: wenn ich schon keinen Spaß habe, so leide ich wenigstens auch nicht. :)
Die Anfertigung
Du solltest ihn schriftlich anfertigen, ansonsten verflüchtigen sich die Gedanken zu schnell wieder. Zum Erstellen kannst Du alles verwenden, angefangen beim einfachen Blatt Papier über einen Computer bis hin zu einem Diktiergerät, um unterwegs Ideen spontan zu sammeln.
Stichpunktartig sollte man in jeder Zeile ohne groß zu überlegen etwas eintragen. Das könnte in etwa so aussehen:
- Putzen (alles Nasse)
- Saubermachen (Rest: Staub saugen, Regale entstauben)
- Kochen
- Spazierengehen
- Freunde anrufen
- Aufräumen
- Duschen
- Waschen
- Tiere füttern
- Kaffee kochen
- Bett machen
- Einkaufen
- Auto tanken
Anschließend sollte man bei einer Tätigkeit, auf die man spontan Lust hat, eine Schulnote vergeben, so eine 2 oder eine 1 für eine angenehme Tätigkeit. Umgekehrt sollte man auch jene Verrichtungen benoten, die einem eher unangenehm sind.
Verfeinerung
Nunmehr sollte man gerade jene Blöcke, die einem nicht so viel Spaß bereiten, die man also mit einer 4 oder schlechter bewertet hatte, weiter aufschlüsseln. Für mich wäre das im folgenden Beispiel das Saubermachen:
Saubermachen:
- Tisch abwischen
- Fernseher abwischen
- Regal entstauben
- Regal aufräumen
- Ein bestimmtes Regal ausmisten
- Auto aufräumen
- Ablage entrümpeln
Putzen:
- Bad naß aufwischen
- Wohnzimmer naß aufwischen
- Küche naß aufwischen
- Fenster putzen
- Türen abwischen
An dieser Stelle kann man auch wieder Noten verteilen.
Die Umsetzung
Ist mir langweilig oder geht es mir schlecht, dann gehe ich die Liste kurz durch und wähle mir ohne großes Nachdenken eine Tätigkeit aus, die mir am wenigsten Mühe verspricht. Meist ist das etwas aus den Kategorien Saubermachen und Putzen.
Der Nutzen
Bei diesen Verrichtungen kann ich am besten abschalten, die Zeit vergeht und ich habe einen großen Nutzen davon, ohne daß ich das direkt wollte. Weder gab ich mir zur Aufgabe noch zwang ich mich dazu, sauberzumachen, sondern es war eher ein Notprogramm zwecks Bekämpfung meiner schlechten Gedanken.
Ich denke, daß das auch der Clou am Baukasten ist. Ich gebe mir keinen inneren Befehl „Mach was, Du Faulpelz!“, im Gegenteil, ich könnte auch weiterhin im Bett liegenbleiben, sondern ich sage mir „Verscheuche Deine schlechten Gedanken!“. Zu Ersterem bin ich selten bereit, zu Letzterem dagegen sehr.
Statt im Bett zu liegen und zu hoffen, daß ich bald einschlafe, vertreibe ich meine schlechten Gedanken auf eine andere Weise. Und wie gesagt: man hat im doppelten Sinne etwas davon: die Gedanken werden klarer und man ist produktiv.
Ich hoffe, daß euch meine Anregungen weiterbringen. Wie sind eure Erfahrungen mit dem Baukasten? Welche Methoden habt ihr, um trotz schlimmer Gedanken tätig zu sein?
Zitat der Woche
Wenn man klug ist, ist einem allein darum zu tun, daß man Freude im Herzen habe.
Nietzsche, "Menschliches, Allzumenschliches"
Witziges zum Wochende
Freitags darf man schon mal lachen. Daher folgendes Video, für den inflationären Dauerwerbesendungs-Terror auf so manchem Kanal entschädigen soll:
Neue Web-Adresse
Ab heute ist dieser Blog auch unter der URL
erreichbar. In den kommenden Wochen wird es noch ein paar Überraschungen geben von welchen ich fest überzeugt bin, daß sie euch gefallen werden. :)
Fernseh-Tips
Arte
Hippokrates - Thema: Depression
Sonntag, 22.10.2006 – 11:30 Uhr
NDR
Offengesagt – Depression: Wenn das Leben sinnlos erscheint
Robbie Williams - ein weiteres Opfer der Depression
Kaum postet man eine liste bekannter unter depressiven Störungen Leidender, da macht auch schon die Neuigkeit die Runde, daß Robbie Williams ebenfalls eine weitere depressive Episode erlitten haben soll.
Geoutet hatte er sich bereits, unter Depressionen zu leiden. Nun fiel mitten in seine Welt-Tourne dieser Rückschlag.
Persönlich hatte ich mich schon die letzten Jahre über gewundert, daß er solch einen Schaffensdrang an den Tag legt. Ständig erscheinen neue Alben, er ist nie wirklich von der Bildfläche verschwunden im Gegensatz zu anderen Sängern und taucht auch bei vielen Shows rund um die Welt auf.
Gute Besserung an dieser Stelle.